Warum die Nummer die schwierigste Frage ist
Der Assistent ist in wenigen Tagen gebaut. Die Rufnummer, unter der er erreichbar sein darf, kann Wochen kosten — und in manchen Konstellationen gibt es sie schlicht nicht. Der Grund ist, dass Rufnummern in Deutschland keine Ware sind, sondern eine knappe Ressource, die die Bundesnetzagentur nach Zuteilungsregeln vergibt. Diese Regeln knüpfen an den Sitz an, nicht an den Wunsch.
| Nummerntyp | Voraussetzung | Wer zahlt das Gespräch | Für ausländische Firma |
|---|---|---|---|
| Ortsnetz (z. B. 030, 089) | Wohn- oder Betriebssitz im jeweiligen Ortsnetzbereich | Anrufer, Festnetztarif | Nein |
| 032 (nationale Teilnehmerrufnummer) | Wohnsitz oder Firmenstandort in Deutschland | Anrufer, bis ca. 9 ct/Min | Nein |
| 0800 | Bei Sitz im Ausland: Empfangsbevollmächtigter mit ladungsfähiger Inlandsadresse | Der Angerufene | Ja |
| Ausländische Nummer | Je nach Anbieter oft keine Nachweise | Anrufer, Auslandstarif | Ja, aber angreifbar |
Ortsnetznummer: die naheliegende Lösung, die nicht geht
Eine Nummer aus dem örtlichen Vorwahlbereich wirkt am vertrauenswürdigsten und ist für den Anrufer am günstigsten. Die Zuteilungsregel der Bundesnetzagentur verlangt dafür allerdings einen Wohn- oder Betriebssitz im jeweiligen Ortsnetzbereich. Fällt diese Voraussetzung weg, entfällt auch das Nutzungsrecht. Einen Ausnahmetatbestand für ausländische Unternehmen gibt es nicht.
Dass das keine theoretische Vorschrift ist, zeigt ein Vorgang aus dem Januar 2018: Die Bundesnetzagentur schaltete an einem Tag 264 Ortsnetzrufnummern ab, weil die Sitzvoraussetzung nicht erfüllt war. Entsprechend genau prüfen die Anbieter — ihnen selbst droht bei wiederholten Verstößen der Widerruf der eigenen Blockzuteilung.
Der häufig empfohlene Ausweg über eine 032-Nummer löst das Problem nicht: Auch dort verlangt die Zuteilungsregel Wohnsitz oder Firmenstandort in Deutschland. Zusätzlich zahlt der Anrufer bis zu 9 Cent je Minute — für eine Servicenummer die falsche Richtung.
Eine vorhandene Nummer im Absenderfeld einer Plattform „aufzusetzen", ohne das Nutzungsrecht zu haben, ist Rufnummernmissbrauch nach § 120 Abs. 2 TKG. Dass das Feld technisch frei beschreibbar ist, ist kein Freibrief — die Bundesnetzagentur kann die Nummer abschalten lassen.
0800: der Weg, der funktioniert — und was er kostet
Für Antragsteller mit Sitz im Ausland sieht die einschlägige Verfügung ausdrücklich einen Weg vor: Sie müssen einen Empfangsbevollmächtigten mit ladungsfähiger Inlandsadresse benennen. Das kann eine Kanzlei, ein Steuerberater oder eine andere inländische Anschrift sein. Die Zuteilung erfolgt direkt durch die Bundesnetzagentur, nicht über den Telefonanbieter.
Zwei Punkte, die man vorher wissen sollte:
- Nutzungsfrist: Die zugeteilte Nummer muss innerhalb von 180 Kalendertagen in Betrieb genommen werden, sonst verfällt die Zuteilung.
- Auch abgelehnte Anträge sind gebührenpflichtig. Vorher prüfen lohnt sich doppelt.
Der wirtschaftliche Haken liegt woanders: Bei 0800 zahlt der Angerufene. Aus dem Mobilfunk sind 16 bis 22 Cent je Minute üblich. Bei zehn Anrufen am Tag zu je drei Minuten sind das rund 110 bis 150 € im Monat — ein Vielfaches der Plattformkosten für den Assistenten selbst. Wer diesen Weg geht, sollte die Ansage kurz halten, früh auf einen Selbstbedienungs-Link verweisen und die Gesprächsdauer hart begrenzen.
Die vorhandene Mobilnummer mitnehmen? Meistens nicht
Der Wunsch ist verständlich: Die Nummer steht auf Rechnungen, in Bestätigungsmails und in Kundenkontakten. Technisch lässt sich eine deutsche Mobilnummer nur zu wenigen Anbietern portieren; die großen internationalen Sprachplattformen schließen die Portierung deutscher Mobilnummern aus. Zusätzlich untersagt § 59 Abs. 5 TKG die Portierung zwischen festem und nicht festem Standort.
Nach einer Portierung ist die bisherige SIM-Karte tot. Damit sind alle SMS-Bestätigungen und der WhatsApp-Zugang auf dieser Nummer weg — also häufig der Zugang zu Shop, Bank, Zahlungsanbietern und Werbekonten. Vor jeder Portierungsanfrage gehört deshalb eine Bestandsaufnahme, was alles an dieser Nummer hängt. Bei Prepaid-Karten kommt hinzu, dass die Registrierung exakt auf den Portierenden lauten muss (§ 172 TKG) — der häufigste Ablehnungsgrund.
Der reversible Weg ist fast immer der bessere: eine neue Nummer für den Assistenten, die alte Karte behalten, bei Bedarf eine Rufumleitung einrichten.
Der Umweg, der die Frage vorerst erledigt
Ein Sprachassistent braucht für den Anfang gar keine Rufnummer. Über ein Web-Widget auf einer eigenen Seite lässt sich derselbe Assistent, mit derselben Konfiguration und denselben Anbindungen, sofort betreiben — ohne Zuteilungsregeln, ohne Portierung, ohne Minutenpreise für eingehende Anrufe. Genau so betreiben wir die Demo auf unserer Startseite.
Das hat einen zweiten Vorteil: Man lernt am echten Gespräch, welche Fragen wirklich kommen und wo der Assistent aussteigt, bevor Geld in eine Nummer und deren Minutenpreise fließt. Ist der Assistent belastbar, wird die Telefonanbindung nachgerüstet — die Konfiguration bleibt dieselbe.
Stand August 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung; die Zuteilungspraxis der Bundesnetzagentur und die Bedingungen der Anbieter ändern sich. Für Auskünfte zur Nummernzuteilung ist die Nummernverwaltung der Bundesnetzagentur zuständig.
Häufige Fragen
Kann ein Unternehmen mit Sitz im Ausland eine deutsche Ortsnetznummer bekommen?
Nein. Die Zuteilungsregel der Bundesnetzagentur verlangt einen Wohn- oder Betriebssitz im jeweiligen Ortsnetzbereich; entfällt diese Voraussetzung, entfällt das Nutzungsrecht. Im Januar 2018 hat die Behörde an einem Tag 264 Ortsnetzrufnummern abgeschaltet, bei denen das nicht erfüllt war.
Löst eine 032-Nummer das Problem?
Nein. Auch für nationale Teilnehmerrufnummern verlangt die Zuteilungsregel Wohnsitz oder Firmenstandort in Deutschland. Zusätzlich zahlt der Anrufer bis zu 9 Cent je Minute, was für eine Servicenummer die falsche Richtung ist.
Was kostet eine 0800-Nummer im Betrieb?
Bei 0800 zahlt der Angerufene. Aus dem Mobilfunk sind 16 bis 22 Cent je Minute üblich — bei zehn Anrufen täglich zu je drei Minuten rund 110 bis 150 € im Monat. Die Zuteilung erfolgt direkt durch die Bundesnetzagentur, und die Nummer muss innerhalb von 180 Kalendertagen in Betrieb genommen werden.
Kann ich meine bestehende Mobilnummer für den KI-Agenten verwenden?
Meist ist davon abzuraten. Nach einer Portierung ist die bisherige SIM-Karte tot — damit sind SMS-Bestätigungen und der WhatsApp-Zugang auf dieser Nummer verloren, also oft der Zugang zu Shop, Bank und Zahlungsanbietern. Bei Prepaid-Karten muss die Registrierung zudem exakt auf den Portierenden lauten. Der reversible Weg ist eine neue Nummer plus Rufumleitung.
Darf ich meine Nummer einfach als Absender einstellen?
Nein. Eine Rufnummer ohne Nutzungsrecht als Absender zu verwenden, ist Rufnummernmissbrauch nach § 120 Abs. 2 TKG. Dass das Absenderfeld technisch frei beschreibbar ist, ändert daran nichts.