Was die Minute tatsächlich kostet

Die Preisangaben der Anbieter sind schwer vergleichbar, weil sie unterschiedlich viel enthalten. Manche rechnen Sprachsynthese, Spracherkennung und Sprachmodell separat ab, andere nennen einen Komplettpreis. Die folgende Übersicht zeigt den Stand August 2026 für den Betrieb eines deutschsprachigen Assistenten.

BausteinGrößenordnungAnmerkung
Sprachplattform0,055–0,10 $ je GesprächsminuteKomplettpreis inklusive Erkennung, Modell und Stimme
Telefonanbindung (SIP-Trunk)0–5 € im MonatGrundgebühr; einzelne Anbieter führen den Trunk kostenlos
Ortsnetznummerca. 5 € im MonatSetzt einen Sitz im jeweiligen Ortsnetz voraus
0800-Nummer16–22 ct je Minute aus dem MobilfunkZahlt der Angerufene, nicht der Anrufer
Überschreitung paralleler Gesprächebis 0,16 $ je MinuteFällt nur an, wenn kein Limit gesetzt ist
Marktübliche Größenordnungen, Stand August 2026. Keine Angebote — die Preise der Anbieter ändern sich, und Rahmenverträge weichen ab.

Bei 200 bis 400 Gesprächsminuten im Monat landet man damit rechnerisch bei etwa 30 bis 65 € laufenden Kosten. Das ist der Punkt, an dem die meisten Kalkulationen falsch abbiegen: Diese Zahl ist so niedrig, dass sie den Blick auf den eigentlichen Kostenblock verstellt.

Der eigentliche Kostenblock

Nicht die Minuten kosten Geld, sondern der Aufbau. Ein Assistent, der an Shop, Ticketsystem und Sendungsverfolgung angebunden ist, den Anrufer sicher identifiziert und in den Grenzfällen sauber an einen Menschen übergibt, ist realistisch ein Aufwand von 20 bis 60 Stunden. Wer nur die Minutenpreise vergleicht, vergleicht die falsche Zahl.

Was der Assistent rechtlich muss

Er muss sagen, dass er eine Maschine ist

Seit dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 der KI-Verordnung ohne Übergangsfrist. Wer ein KI-System betreibt, das mit Menschen interagiert, muss diese darüber informieren — es sei denn, es ist aus dem Zusammenhang offensichtlich. Bei einer Stimme, die klingt wie ein Mensch, ist es das gerade nicht. In der Praxis ist die Pflicht mit einem Satz erledigt: Der Assistent sagt im ersten Satz, dass er eine KI ist. Zuständig für die Aufsicht ist in Deutschland die Bundesnetzagentur.

Eingehende Anrufe sind einfach, ausgehende sind es nicht

Ein Assistent, der nur ans Telefon geht, wenn jemand anruft, ist rechtlich unkompliziert: Der Anrufer hat den Kontakt selbst hergestellt. Bei ausgehenden Anrufen dreht sich das um. Am Telefon gibt es keine Bestandskundenausnahme — die Erleichterung des § 7 Abs. 3 UWG gilt ausdrücklich nur für elektronische Post, nicht für Anrufe. Auch eine freundliche Zufriedenheitsbefragung zählt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs als Werbung. Der Bußgeldrahmen reicht bis 300.000 €.

Erlaubt bleibt der Rückruf, um den der Kunde selbst gebeten hat, und die Rückfrage zu einer laufenden Bestellung. Der Kipppunkt ist erstaunlich scharf: Ein einziger Cross-Selling-Satz macht aus dem Service-Anruf einen Werbeanruf. Das gehört deshalb nicht nur in die Anweisung an das Sprachmodell, sondern zusätzlich in einen Filter, der die Ausgabe prüft.

Aufzeichnen: im Zweifel gar nicht

Die Routineaufzeichnung von Kundengesprächen auf ein berechtigtes Interesse zu stützen, lehnen die Aufsichtsbehörden ab; § 201 StGB stellt das unbefugte Aufnehmen des nicht öffentlich gesprochenen Wortes zudem unter Strafe. Auch das reine Transkript ist ein personenbezogenes Datum. Für einen ersten Betrieb ist die saubere Lösung deshalb: kein Audio-Mitschnitt, sondern eine strukturierte schriftliche Zusammenfassung im Ticketsystem.

Der Assistent darf nichts zusagen

Sprachmodelle erfinden Details, wenn ihnen welche fehlen. Bei einem Telefonassistenten ist das keine Kuriosität, sondern eine Haftungsfrage: Ein zugesagter Liefertermin, eine in Aussicht gestellte Erstattung oder eine Kulanzregelung sind Erklärungen, an denen sich ein Unternehmen festhalten lassen muss. Die belastbare Konstruktion lautet deshalb: Der Assistent liest ausschließlich vor, was in den angebundenen Systemen steht, und entscheidet nie selbst.

Was er wirklich schafft — und was nicht

Die verbreitete Erwartung, ein Sprachassistent erledige 90 % der Anrufe, hält keiner Messung stand. Realistisch ist im Pilotbetrieb eine Quote von 45 bis 65 % abschließend erledigter Gespräche. Der Rest sind Fälle, die aus guten Gründen zu einem Menschen gehören.

AnliegenFür den Assistenten geeignetWarum
Wo ist meine Bestellung?JaAntwort steht in Shop und Sendungsverfolgung, eindeutig prüfbar
Fragen zu Produkt und LieferzeitJaFeste Angaben aus dem Katalog
Bestellung im Shop klappt nichtTeilweiseAufnehmen ja, lösen selten
Widerruf, Storno, RetoureNeinRechtsfolgen; gehört aus Nachweisgründen in die Schriftform
Beschwerde, angekündigter AnwaltNeinMuss zwingend an einen Menschen
Sendung gilt als zugestellt, ist aber wegNeinWer hier anruft, hat ein echtes Problem
Einteilung aus dem laufenden Betrieb eines Onlinehändlers.

Die unterschätzte Hürde: die Identifikation

Der schwierigste Teil eines Telefonassistenten ist nicht das Gespräch, sondern die Frage, mit wem er spricht. Ein Beispiel aus einem Kundenprojekt: Die Bestellnummern des Shops bestehen aus einem festen Präfix und vier fortlaufenden Ziffern. Weil sie fortlaufend vergeben werden, existiert zu fast jeder falsch verstandenen Nummer eine andere, echte Bestellung. Ein Assistent, der nur nach der Bestellnummer fragt, liest also regelmäßig die Daten eines fremden Kunden vor.

Die Lösung war ein zweiter Faktor — und zwar bewusst nicht die E-Mail-Adresse, die am Telefon kaum zuverlässig zu verstehen ist, sondern die Postleitzahl: fünf Ziffern, eindeutig, schnell gesagt. Sie erfüllt zwei Zwecke gleichzeitig. Sie prüft die Identität, und sie korrigiert die verhörte Nummer: Aus den typischen deutschen Verwechslungspaaren und Zifferndrehern werden Kandidaten gebildet, und es gewinnt der, zu dem die genannte Postleitzahl passt.

Wann sich das rechnet

Ehrlich gerechnet: Bei zwei bis fünf Anrufen am Tag spart ein Sprachassistent keine Personalkosten. Dafür sitzt niemand in Vollzeit am Telefon. Was er tatsächlich bringt, ist etwas anderes — Erreichbarkeit außerhalb der Geschäftszeiten und kein verpasster Anruf. Das ist ein Vertrauens-, kein Einsparargument, und so sollte es auch gerechnet werden.

Der größere Hebel liegt fast immer daneben: Wenn 40 % der Anfragen den Sendungsstand betreffen, trifft eine automatische schriftliche Antwort mit echtem Sendungsstand alle diese Fälle, der Telefonassistent nur den kleinen Teil, der zum Hörer greift. Wie das im Detail aussieht, steht in unserem Beitrag zur Automatisierung im Kundenservice.

Hinweis

Dieser Beitrag gibt den Stand vom August 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Ob eine konkrete Ausgestaltung zulässig ist, hängt am Einzelfall — insbesondere bei ausgehenden Anrufen und bei der Frage der Aufzeichnung.

Häufige Fragen

Muss ein KI-Telefonassistent sagen, dass er eine KI ist?

Ja. Artikel 50 der KI-Verordnung verlangt die Information, wenn Menschen mit einem KI-System interagieren, sofern es nicht offensichtlich ist. Bei einer natürlich klingenden Stimme ist es das nicht. Ein Satz zu Gesprächsbeginn genügt. Die Pflicht gilt seit dem 2. August 2026 ohne Übergangsfrist.

Darf ein KI-Assistent Kunden von sich aus anrufen?

Nur sehr eingeschränkt. Am Telefon gibt es keine Bestandskundenausnahme — die Erleichterung des § 7 Abs. 3 UWG gilt ausdrücklich nur für elektronische Post. Zulässig bleiben der ausdrücklich erbetene Rückruf und die Rückfrage zu einer laufenden Bestellung. Schon ein einzelner Verkaufssatz macht daraus einen Werbeanruf.

Werden die Gespräche aufgezeichnet?

Sie sollten es nicht. Eine Routineaufzeichnung auf ein berechtigtes Interesse zu stützen, lehnen die Aufsichtsbehörden ab, und § 201 StGB stellt das unbefugte Aufnehmen unter Strafe. Auch das Transkript ist ein personenbezogenes Datum. Die saubere Lösung ist eine strukturierte schriftliche Zusammenfassung im Ticketsystem.

Wie viele Anrufe erledigt ein Sprachassistent wirklich allein?

Im Pilotbetrieb realistisch 45 bis 65 %, nicht 90 %. Der Rest sind Fälle, die aus guten Gründen an einen Menschen gehen — Widerruf, Beschwerden, Sendungen, die als zugestellt gelten, aber fehlen.

Braucht der Assistent eine eigene Rufnummer?

Für den Anfang nicht. Über ein Web-Widget lässt sich derselbe Assistent sofort betreiben. Die Rufnummernfrage ist in Deutschland an Zuteilungsregeln geknüpft und je nach Firmensitz aufwendig — Details dazu in unserem Beitrag über deutsche Rufnummern für KI-Agenten.